Der heimliche Grund, warum deine Beziehungen schwierig sind und bleiben

Viele Beziehungsprobleme halten sich hartnäckig und werden leider auch trotz der Lektüre von Bergen von Selbsthilfebüchern, dem Besuch von Therapien und Seminaren und sonstigen Versuchen nicht (viel) besser.

Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass unsere Beziehungsdynamiken von unserem Unterbewusstsein gesteuert werden – und das lässt sich nicht so einfach in die Karten schauen, geschweige denn durch bewusste Bemühungen verändern!
Eine Veränderung gelingt erst dann, wenn wir das Unterbewusstsein mit ins Boot holen. 

Lass uns das Problem also an der Wurzel packen!

The sad woman with the broken heart,autumn depressionIn den letzten Monaten wurde mir deutlicher denn je, wie viele Beziehungsschwierigkeiten chronisch sind. Auch wenn sich einer der Beteiligten oder sogar beide ernsthaft um eine Besserung bemühen und alles mögliche versuchen, wird es oft nicht wirklich gut, sondern man verbringt unter Umständen einfach nur ermüdend viel Zeit mit Klärungsversuchen. Kennst du das auch..?

Ein Beispiel:  Du fasst den guten Vorsatz, deinen Kindern gegenüber nicht mehr auszurasten, und du meinst es wirklich von ganzem Herzen ernst damit. Am ersten Tag gelingt es dir, doch schon am zweiten Tag hörst du dich rumbrüllen – und fühlst dich wahnsinnig enttäuscht und frustriert. Außerdem machst du dir selbst Vorwürfe, warum du es nicht besser hinbekommst.

Dasselbe Prinzip kannst du auf deinen Partner/ deine Partnerin, deine Mutter, deinen Vater oder jeden beliebigen Menschen in deinem Leben anwenden, mit dem du Stress hast:
Du willst eine Veränderung, du willst sie wirklich, du gibst dir alle Mühe (und wendest konsequent an, was du im letzten Ratgeber oder bei diesem großartigen Kommunikationsworkshop gelernt hast), doch früher oder später findest du dich emotional genau da wieder, wo du gestartet bist: verletzt und defensiv oder aggressiv, genervt und geladen.

Du zweifelst an dir, den anderen, der Methode …. und wirst immer verzweifelter.

Vielleicht denkst du, mit dir stimme etwas nicht und du seist eben nicht beziehungsfähig. Doch die Wahrheit ist: Du hast diese Schwierigkeiten nur deshalb, weil mit dir alles stimmt!

Du hast wie alle Menschen einen inneren Selbstschutzmechanismus, der dich vor körperlichem und seelischem Leid beschützen soll, und dieser funktioniert 1a!

Du hast doch bestimmt schon einmal davon gehört, dass unser Bewusstsein uns nur zu schätzungsweise 3% steuert, unser Unterbewusstsein jedoch zu 97%?
Lass das noch einmal einen Moment auf dich wirken. 97% gegen 3%!
Welche Chancen gibst du dem Bewusstsein, sich gegen das Unterbewusstsein durchzusetzen …?

Und genau da liegt der Haken. Auf der bewussten Ebene wollen wir die Veränderung. Wir erkennen vielleicht sogar unsere Verhaltensmuster, wir können ganz genau erklären und verstehen, warum wir so reagieren, wie wir es tun, und wieso der andere Mensch sich so verhält, wie er es tut. Wir treffen eine Entscheidung und lernen Kommunikationswerkzeuge und andere Dinge, um unsere Beziehungsfähigkeit zu verbessern.

Das Unterbewusstsein dagegen hat vor allem eine Agenda: Es will uns vor körperlichem und seelischem Schmerz bewahren und unser Überleben sichern. Dazu speichert es jede Erfahrung und jedes Erlebnis von Schmerz und Gefahr präzise ab, und ist die ganze Zeit damit beschäftigt, gegenwärtige Erfahrungen mit dieser Erinnerungsbibliothek zu vergleichen.

Sobald es etwas wie einen ungefähren Treffer gibt, wird Alarm ausgelöst! Das Unterbewusstsein versetzt unseren Sympathikus in Aktion, den Teil des Nervensystems, der den Körper für Flucht oder Verteidigung bereit macht. Du merkst es daran, dass du getriggert bist und auf einmal auf eine Weise reagierst, die du eigentlich gar nicht möchtest. Du fühlst dich vielleicht verletzt, angegriffen und zurückgewiesen, obwohl nur eine Kleinigkeit vorgefallen ist. Du kannst es dir logisch nicht erklären!

Das Wichtige dabei ist, dass in diesem Moment der bewusste Verstand blockiert wird. Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, kannst du also, wenn du erst einmal getriggert bist, nicht mehr klar und logisch denken. Dein Unterbewusstsein hat nämlich soeben entscheiden, dass es hier um Leben und Tod geht und übernimmt das Kommando.
Du kannst nicht mehr so reagieren, wie du es dir bewusst vorgenommen hast und wie es deinen eigentlichen Werten entspricht. Oder sagen wir mal, ab und zu kannst du es, aber unter größten Schwierigkeiten, deine reaktiven Impulse irgendwie im Zaum zu halten. Du wirst automatisch defensiv, aggressiv oder willst weg. Und das, was du im letzten Workshop gelernt hast, ist irgendwie total weg.

Worum es mir hier geht ist, dass du an diesem Punkt nicht verzweifelst und dir selber Vorwürfe machst! Kannst du anerkennen, dass hier eigentlich ein sehr wertvoller, lebenserhaltender Mechanismus am Werk ist?

Der Ausweg

Natürlich wirkt er sich nicht zu deinem besten aus, wenn er dafür sorgt, dass du bei jeder Kleinigkeit an die Decke gehst oder deinen Mann umbringen möchtest, weil er die Zahnpastatube nicht zugeschraubt hat. Gleichzeitig steckt der erste Schritt zur Heilung in der Anerkennung der guten Absicht hinter dem Geschehen: „Aha, mein Unterbewusstsein will mich hier vor irgendetwas schützen. Ich muss eine tiefe Verletzung mit mir herumschleppen, die in meinem Inneren gespeichert ist, und diese Situation jetzt hat irgendwie Ähnlichkeit damit.“

Was wir ganz oft unterschätzen, ist das schiere Ausmaß der schmerzhaften Erinnerungen, die wir mit uns herumtragen. Jeder und jede von uns hat schon Beziehungsabbruch, Enttäuschung und tiefste Verletzung auf irgendeine Weise erlebt. Vieles davon geht auf Erfahrungen in der frühen Kindheit zurück, an die wir uns nicht einmal bewusst erinnern können.
Aufgrund dessen, wie unsere Gesellschaft gestrickt ist und welchen Leitlinien und Erziehungsdogmen sie folgt, werden menschliche Grundbedürfnisse nach Nähe, Zärtlichkeit, Sicherheit und Gemeinschaft täglich vernachlässigt. Wir haben uns schon so daran gewöhnt, dass wir es bewusst oft nicht einmal mehr merken. Doch du kannst sicher sein, dass es bei uns keinen Menschen gibt, der nicht mehr oder weniger innerlich verletzt ist.

Und jedes Mal, wenn etwas entfernt an eine Verletzung erinnert, wird das Alarmsystem ausgelöst! Das kann viele Male am Tag sein! Hinzu kommt, dass je näher uns eine Person steht, desto eher löst sie unser Alarmsystem aus!


Wenn du gelassener im Umgang mit anderen werden und in der Lage sein willst, ihnen authentisch liebevoll und verständnisvoll zu begegnen, musst du dazu deine eigenen Herzensverletzungen heilen. Sonst wird dir dein innerer Schutzmechanismus immer wieder einen Strich durch die Rechnung machen.

Das heisst natürlich nicht, dass du dich von anderen schlecht behandeln lassen sollst. Ganz im Gegenteil, wenn dein Herz geheilt ist, wirst du dich viel weniger in solchen Situationen wiederfinden. Erstens, weil nur der verletzte Teil von uns sich immer wieder zu Wiederholungen der alten schmerzhaften Vergangenheit hingezogen fühlt, und zweitens, weil du dich einfach nicht mehr wegen so vieler Dinge verletzt fühlst. Du bist einfach nicht mehr so leicht zu triggern.

Gewisse Worte und Verhaltensweisen, die dich früher getroffen haben, werden dich nicht länger stören.

Aber wieso bloß fühlen wir uns zur Wiederholung alter Verletzungen getrieben?
Dies ergibt Sinn, wenn wir verstehen, dass unser Unterbewusstsein uns zwar einerseits vor erneuter Verletzung schützen will, doch gleichzeitig die alten schmerzhaften Umstände oft als „zu Hause“ abgespeichert hat.

Elena Tonetti, die Begründerin von „Birth into Being“, die sich seit 30 Jahren damit befasst, schmerzhafte emotionale Erinnerungen aufzulösen, nennt dieses Phänomen die „limbische Prägung“. Sie sagt, das Grundklima unserer frühen Tage werde als „Liebe“ und einem erstrebenswerten Zustand bei uns abgespeichert, auch wenn es sich um schmerzbehaftete Umstände handelt. Unbewusst streben wir dann danach, uns wieder mit einem solchen emotionalen Klima zu umgeben – bis die limbische Prägung verändert worden ist.

Das ist dann die Erklärung dafür, warum wir immer wieder ganz überzeugt die „falschen“ Entscheidungen treffen oder in Umständen landen, die uns nicht guttun – ohne zu verstehen, wie wir dort hineingeraten sind, und oft ohne einen Plan, wie wir wieder herausfinden!

Der Biologe Bruce Lipton konnte in seiner Forschung nachweisen, dass unsere Zellen unsere Erfahrungen speichern. In seinem Buch „Intelligente Zellen: Wie Erfahrungen unsere Gene steuern“ beschreibt er anschaulich, wie Ereignisse in unserem Zellgedächtnis hinterlegt werden und unsere zukünftigen Reaktionen bestimmen. Eine hochspannende Lektüre, wenn du wissen möchtest, wie unser innerer Schutzmechanismus funktioniert!

Wenn es mit anderen Menschen schwierig wird, neigen wir dazu, uns darauf zu konzentrieren, wie der andere sich ändern sollte und was er alles falsch macht. Doch selbst wenn der andere alle unsere Änderungswünsche erfüllen würde, wäre das nicht die Lösung unserer Probleme, denn unsere Schwierigkeiten liegen in den alten ungeheilten Verletzungen in uns und unserer inneren Prägung!

Wie das geht, ist kein Hexenwerk.
Anfangen kannst du mit dieser kleinen Übung für den Alltag, wenn du wieder einmal merkst, dass du dich getriggert, verletzt oder wütend fühlst:

Spüre in deinen Körper hinein.
Was genau fühlst du?
Wie fühlt sich die Verletzung/ die Wut oder was auch immer du fühlst in deinem Körper an?
Eine Enge? Eine Schwere? Ein Brennen? Ein Druck? Wo?
Lade dieses Gefühl ein, ganz hochzukommen.
Atme tief in die Stelle deines Körpers hinein, an der sich das Gefühl bemerkbar macht.
Lege beide Hände auf dein Herz und stelle dir vor, wie Licht und Liebe in dein Herz und in deinen ganzen Körper fließen und den emotionalen Schmerz auflösen.
Bleibe solange dabei, wie es sich für dich gut anfühlt und du merkst, dass du ruhiger wirst und sich etwas in dir verändert.

Ich hoffe, diese Übung ist ein erster kleiner Schritt zu deiner Heilung, und würde mich freuen, zu hören, welche Erfahrungen du damit gemacht hast!

Viele Grüße,

Kendra Gettel

4 Comments

  1. Liebe Kendra,
    dein Blog ist grandios. So toll, dass ich ihn gerade verlinkt habe. Ich wünsche dir alles Liebe und Gute und genieße dein Mama-Sein.
    Birgit

  2. Liebe Kendra,
    Danke für diesen Beitrag. Ich bin auf genau diesem Weg. Es ist stimmig und wenn man sich endlich darauf einlässt auch einfach.
    Herzlich Gundula L.

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