So bringst du Ehrlichkeit in deine Beziehungen, ohne sie zu ruinieren

Im Frühjahr 2014 entdeckte ich „Radikale Ehrlichkeit“.
Ich verschlang die beiden Bücher darüber und fing an, das, was ich gelesen hatte, in meinem Leben auszuprobieren. Die Ergebnisse waren sehr gut.
Für mich, das typische, konfliktvermeidende Mädchen mit Nettigkeitssyndrom, das jedes Mal in einen Zustand von Lähmung verfiel, wenn es angesagt gewesen wäre, für sich einzustehen, war Radikale Ehrlichkeit die perfekte Therapie. Ich erlebte Durchbrüche in verschiedenen Bereichen meines Lebens.
Radikale Ehrlichkeit hat mir geholfen, mit meinem Ärger in Kontakt zu kommen, ihn auszudrücken und ihn konstruktiv zu nutzen, anstatt ihn zu verleugnen und zu verstecken – und mich so von meiner eigene Kraft abzuschneiden.
Doch auch auf diesem Weg gibt es ein paar Dinge zu beachten, wenn man eine Beziehung nicht schlimmer machen will, als sie ist …

Pareja discutiendo en la cama.Wenn du anfängst, ehrlicher zu sein und den Menschen um dich herum zu sagen, was du wirklich fühlst und denkst, kommen oft sagen wir mal starke Reaktionen zurück.
Du wunderst dich vielleicht, ob ehrlich zu sein wirklich das Richtige ist, wenn es Menschen ganz offensichtlich zu verletzen scheint – vor allem wenn es Menschen sind, die dir etwas bedeuten.
Und du magst Angst bekommen, deine Beziehungen zu ruinieren.

Was nun?

Fangen wir damit an, was es jetzt nicht zu tun gilt, nämlich: wieder den Deckel auf alles draufpacken!
Wie du sicherlich schon weisst, wenn du dich animiert fühlst, diesen Artikel zu lesen, funktioniert es nicht, zu versuchen, deine Gefühle und Gedanken zu verstecken, zu verleugnen und zu ignorieren. Zumindest nicht, wenn du lebendige, erfüllende Beziehungen möchtest.
Du hast bestimmt auch schon erlebt, dass Gefühle wie Wut, Frustration oder Ärger im Untergrund weiter ihr Unwesen treiben, wenn man sich ihnen nicht zuwendet.
Sie werden dich dazu treiben, dich von der anderen Person zu distanzieren, rationale Gründe dafür zu finden, den Kontakt abzubrechen, fiese Kommentare fallen zu lassen, hinter dem Rücken desjenigen über ihn zu reden und was es sonst noch so an Beziehung sabotierenden Verhaltensweisen gibt.

Und keiner, der seine Sinne beieinander hat, würde das wollen. Richtig?

Du willst deine Wahrheit aussprechen. Gerade weil dir die Verbindung zum anderen wichtig ist. Du willst ja Nähe, Offenheit und Intimität.

Es herrscht bloß etwas Verwirrung, wie du das am besten machst:

  • „Verletze ich den anderen, wenn ich ihm sage, was ich denke?“
  • „Bin ich für seine Reaktion verantwortlich?“
  • „Sollte ich mir Gedanken darüber machen, was meine Worte beim anderen auslösen könnten – oder ist schon allein die Frage danach bloß ein Zeichen dafür, dass ich nicht bereit bin, mich meiner Angst vorm Ehrlichsein zu stellen?“
  • „Ist das was hier passiert wirklich eine gesunde Entwicklung, oder fahre ich jetzt meine Beziehungen komplett an die Wand?“
  • „Wie kann ich mit dem anderen in Verbindung bleiben und ihm durch sein Getriggertsein hindurchhelfen?“

Ich würde gerne etwas Klarheit in diese Fragen bringen, indem ich auf die fünf Gefahren von (zu krassem) Ehrlichsein eingehe, und wie du sie umgehst:

1. Sich in einer Triggerspirale verfangen

Auch wenn ich dem prinzipiell zustimme, dass wir letztlich die Meister unserer eigenen Erfahrung sind und niemand uns „dazu bringen“ kann, etwas bestimmtes zu fühlen, meine ich gleichzeitig auf ganz praktischer Ebene, dass wir uns sehr wohl durch die Worte eines anderen verletzt fühlen können, sogar sehr verletzt.
Nur wenige Menschen haben einen solch erleuchteten Zustand unerschütterliche Selbstliebe und Selbstannahme erreicht, dass sie sich nicht mehr getriggert fühlen und Dinge nicht persönlich nehmen. Für den Rest von uns ist das ein im Alltag nicht praktikables Ideal.

Darüber hinaus stehen wir miteinander in emotionaler Verbindung und beeinflussen uns gegenseitig, ganz einfach, weil wir Menschen sind. Gerade wegen unserer menschlichen Fähigkeit, Mitgefühl füreinander zu empfinden, sind wir empfänglich für den Gefühlsstatus anderer Menschen.
Wenn du auf mich wütend bist, dann wird das sehr wahrscheinlich etwas mit mir machen, ganz einfach, weil wir Menschen so verdrahtet sind. So gar keine innere Reaktion darauf zu spüren ist in den meisten Fällen wohl eher ein Hinweis auf eine soziale Störung und eine ungesunde innere Isolation von anderen Menschen als auf „Erleuchtung“.

Ich finde zu diesem Thema extrem aufschlussreich, wasSusan Campbell in ihrem Buch „The Five Minute Relationship Repair“ schreibt: Wenn in einer Paarbeziehung einer von beiden getriggert ist, reicht das alleine aus, um den anderen ebenfalls zu triggern. Und für was steht letztlich ein Trigger? Für nichts anderes als irgendeine Art von Eindruck, der andere würde einen nicht mehr lieben. Was gleichbedeutend ist mit „Ich bin in dieser Beziehung nicht mehr sicher!“.
Getriggert zu sein geht deshalb Hand in Hand mit der Aktivierung unseres biologischen „Flucht- oder Verteidigungsreflexes“, der ausgelöst wird, um in Gefahrensituationen unser Überleben zu sichern.
Während dabei Energie und Sauerstoff bevorzugt in die Körperteile geleitet werden, die dazu nötig sind, zu kämpfen und/ oder unseren Hintern aus der Situation zu schaffen, geraten unsere höheren Hirnfunktionen in den Hintergrund.
Doch diese höheren Hirnfunktionen sind notwendig, um über Dinge zu sprechen, Probleme zu lösen und ein gewisses Maß an Empathie und Mitgefühl für andere Wesen aufzubringen.

Mit anderen Worten:
Wenn du getriggert bist, kannst du nicht mitfühlend sein, und du kannst auch nicht klar denken.

Das Beste ist, du hältst einfach den Mund und nimmst eine kurze Auszeit (während derer du bewusst atmest, fühlst, was in dir passiert und tust was auch immer nötig ist, um dich wieder runterzufahren) bis deine höheren Hirnfunktionen wieder online sind. Es sei denn, du möchtest die Situation noch ein bisschen schlimmer machen.

Susan Campbell beschreibt sehr anschaulich, wie Paare sich gegenseitig in eine Abwärtsspirale triggern können, wenn der Kreislauf nicht durchbrochen wird.
Wenn man erst einmal in so einer Abwärtsspirale ist, heizen sich die Dinge immer mehr auf, man wird immer aufgebrachter und gibt mit immer höherer Wahrscheinlichkeit potentiell verletzende Dinge von sich.
Und auch wenn sich meiner Meinung nach so ziemlich alles in einer Beziehung wieder geheilt und überwunden werden kann, braucht es natürlich viel mehr Zeit und Energie, die Dinge wieder ins Lot zu bringen, wenn man erst einmal zu tief in die Triggerspirale geraten ist.
Im schlimmsten Fall triggert man sich gegenseitig schneller als man Dinge wieder in Ordnung bringen kann.
Ich muss wohl nicht extra sagen, wohin ein solchen Szenario mit größter Wahrscheinlichkeit führt.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf glaube ich nicht, dass es pure Feigheit ist, zu überlegen, wie gewisse Worte beim anderen ankommen.
Ganz im Gegenteil, es könnte die wesentlich intelligentere Option sein!

2. Alles nur noch negativ sehen

Du hast endlich den Mut aufgebracht, anderen zu sagen, was dich ärgert und dir nicht gefällt und schon viele positive Auswirkungen erlebt.

Doch eines Tages stellst du fest, dass alles, worüber du mit einer bestimmten Person noch redest, das ist, was du ihr alles übel nimmst und welche Urteile über sie hast.
Wut, Frust und Ärger scheinen hinter jeder Ecke zu lauern.
Du merkst, dass euer Zusammensein seinen Reiz verloren hat. Wo zum Teufel ist der Spaß geblieben?

Ich glaube, wir müssen dafür sorgen, dass die Dinge nicht aus dem Gleichgewicht geraten. Ja, bitte sag wenn du dich ärgerst, und du brauchst auch nicht mit allem einverstanden zu sein. Aber wenn das Hauptgesprächsthema in einer Beziehung daraus besteht, auf „negative“ Dinge beim anderen hinzuweisen, dann bist du auf dem absteigenden Ast und musst etwas tun.

Während ich nicht dafür bin, spirituelle Techniken zu dem verzweifelten Versuch zu missbrauchen, den eigenen Gefühlen zu entkommen, rate ich allerdings klar dazu, ein paar gute alte spirituelle Hausmittel anzuwenden, um von diesem Ast herunterzukommen.
Du hast ja schon bewiesen, dass du in der Lage bist, deine Gefühle auszudrücken und dich nicht scheust, schwierige Themen auf den Tisch zu bringen.

An diesem Punkt ist es also vollkommen in Ordnung, dir eine Übung herauszusuchen, um wieder eine etwas ausgeglichene Perspektive auf den anderen zu bekommen.
Fang zum Beispiel mit dem Klassiker an, dir jeden Tag aufzuschreiben, für was am anderen du dankbar bist und was du an ihm schätzt. Konzentriere dich darauf, deine Liebe und Wertschätzung auf alle möglichen Arten zu zeigen: Durch Worte, Lächeln, Umarmungen, Liebesbriefe, kleine Geschenke, gemeinsam ausgehen…du darfst kreativ werden!

3. Ehrlichkeit als Rechtfertigung dafür, deinen Müll auf anderen abzuladen

Was steckt hinter deinem Antrieb, ehrlich zu sein? Bist du wirklich bereit, dich auch bis zu dem Grad zu zeigen, an dem es unangenehm werden könnte? Möchtest du die Verbindung zum anderen wiederherstellen?
Oder geht es eigentlich nur darum, Dampf abzulassen und den eigenen inneren Druck irgendwohin abzubauen? Ein dringendes Verlangen, Menschen ins Gesicht zu schreien, welche Fehler sie deiner Ansicht nach haben und was für Versager sie sind?
Im zweiten Fall, sei gewarnt. Die Menschen fühlen sehr wohl, was deine Motivation ist, und wenn sie spüren, dass du ihnen Vorwürfe machst und deinen Frust an ihnen ablässt, anstatt dich selbst zu offenbaren und eine Verbindung herzustellen, werden sie vermutlich dicht machen.

Denke auch daran:
Wenn jemand dich aufregt und du sauer auf ihn bist, bist du tief drinnen auf irgendeine Weise verletzt.

Im Kern des Gefühls an der Oberfläche (Wut, Ärger, sauer sein) liegt ein Gefühl von großer Verletzlichkeit. Ein tiefer Schmerz. Wir tendieren dazu, unseren Schmerz weit in uns zu vergraben, und deshalb ist es oft schwer, an ihn heran zu kommen. Die oberste Gefühlsschicht zu fühlen und auszudrücken kann dich nach und nach zu weiteren Gefühlsschichten führen, bis du den unten liegenden Schmerz erreicht hast – wie Zwiebel schälen.
Bist du bereit, so lange weiterzugehen, bis du da unten angekommen bist? Diese verdammte Wunde in dir zu fühlen und sie auch andere sehen zu lassen?

Tief da unten unter dem Schmerz liegt dein weicher und liebender Kern begraben. Letztlich wirst nur dauerhafte und liebende Beziehungen mit anderen Menschen haben können, wenn du zu ihnen aus diesem weichen Kern heraus in Verbindung gehst.
Deine Liebe und dein Mitgefühl – sowohl für dich selbst als auch für andere – stammen von dort.

Entweder du lässt dich irgendwann auf diesen weichen Kern ein, oder du bleibst auf der Ebene von Ärger und Aufgebrachtheit stecken. Allein über deinen Ärger zu reden, ohne tiefer zu schauen, wird es nicht bringen. Andere Menschen werden sich von dir abgeschreckt fühlen und dir Etiketten wie „gemein“ und „unsensibel“ verpassen. Nicht zielführend, würde ich sagen.

4. Die Gültigkeit von Bedürfnissen leugnen

Die Sache mit dem Bedürfnissen war für mich lange eine harte Nuss zu knacken. Ist „Bedürftigkeit“ nicht etwas Unangenehmes? Schon fast irgendwie widerlich? Das ganze Konzept von Bedürfnissen scheint manchmal geradezu aggressive Reaktionen zu provozieren, wie: „Ach, du brauchst Aufmerksamkeit? Geh und klär mal die Beziehung zu deinen Eltern, und dann komm wieder!“

In der Gewaltfreien Kommunikation, von der ich ja komme, werden „Bedürfnisse“ als etwas positives gesehen werden – etwas, das uns als Menschen miteinander verbindet und zum Leben beiträgt (zum Beispiel mein Bedürfnis nach Essen, das mein Überleben sichert).
Dennoch tat ich mich lange damit schwer, den Nutzen hinter der Idee von den Bedürfnissen zu sehen.
Vor allem, wenn es um emotionale „Bedürfnisse“ ging, fand ich das Ganze doch etwas übertrieben. Ich meine, jetzt komm, du „brauchst“ doch nicht wirklich Wertschätzung zum Überleben, oder???

Alles fiel aber an seinen Platz, als mir klar wurde, dass der Teil von uns, der diese emotionalen Bedürfnisse hat, ja nicht unser erwachsenes Selbst ist. Es handelt sich dabei viel mehr um unser inneres Kind, wenn wir es so nennen wollen.
Es ist niemand anderes als dieses innere Kind, jeder innere Anteil, der in unserer Vergangenheit als Kinder so stark verletzt worden ist, der übertriebene emotionale Reaktionen zeigt, so leicht getriggert wird und alles persönlich nimmt.
Als kleine Kinder war die Erfüllung unserer emotionalen Bedürfnisse überlebenswichtig!

Du hast vielleicht schon gehört, dass Babies, die zwar gefüttert und auf materieller Ebene mit allem Nötigen versorgt werden, aber keine Berührung, Liebe und Fürsorge bekommen, nicht gut gedeihen und sogar sterben.
(Und auch wir Erwachsene können nicht ohne – Menschen sind nun einmal soziale Wesen und brauchen einander. In Gruppen zu leben und einander zu helfen steigert unsere Überlebenschance. Logischerweise fühlt sich also ein Abbruch der Verbindung zu anderen schmerzhaft an!)

Wir sind in einer suboptimalen Welt aufgewachsen, in der wir vielen schmerzhaften Situationen ausgesetzt waren. Wir haben überlebt, aber so manche unserer emotionalen Bedürfnisse wurden eben nicht ausreichend erfüllt.
Und weil wir als Kinder nicht die Ressourcen hatten, mit dem daraus resultierenden Schmerz umzugehen, haben wir ihn eben vergraben.

Wenn wir jetzt als Erwachsene getriggert werden, sagt der alte Schmerz:
„HE DA DRAUSSEN, kann mir bitte endlich endlich jemand zuhören???? Ich muss gehört werden, um über diese Sache hinwegzukommen. Ich bin verzweifelt!!!
Ich brauche Hilfe dabei, diese Gefühle zu fühlen, um sie loszulassen, und ich brauche eine Bestätigung, dass mich die Wucht der Gefühle nicht umbringt.
Ich brauche Hilfe dabei, über meine Sichtweise hinwegzukommen, dass ich auf dieser Welt nicht geliebt werde und nicht willkommen bin. Hilf mir!!!!“

Aus dieser Perspektive ist es völlig angemessen, von „Bedürfnissen“ zu sprechen.
Teste es doch einmal aus!

Wenn du dich das nächste Mal verletzt fühlst, stell dir vor, du bist ein kleines Kind. Was braucht dieses Kind gerade?

Brauchst du eine Bestätigung, dass du geliebt wirst? Musst du hören, dass du das Recht hast, jetzt mal wütend zu sein und dich aufzuregen? Muss dein Schmerz gehört werden?
Bei was fühlst du Resonanz?

Und wenn jemand anderes in Aufruhr ist: Was könnte das Kind in ihnen gerade brauchen? Frag nach und gib. Der andere braucht zu seiner Heilung die Bestätigung, dass seine Bedürfnisse ihre Berechtigung haben und er Hilfe zu ihrer Erfüllung bekommt.

Bedürfnisse haben nur etwas von „igitt“ an sich, weil wir uns selbst vor diesem grauenvollen Gefühl von früher schützen wollen, mit innerem Schmerz vollkommen allein zu sein und nicht zu wissen, was wir tun können.
Heißen wir diesen Schmerz doch willkommen und akzeptieren unsere „Bedürftigkeit“!

5. Nicht in der Lage sein, eine empathische Verbindung einzugehen

Eines der grundlegenden menschlichen Bedürfnisse ist es, gehört zu werden.
Es gibt nicht viele Dinge auf dieser Welt, die sich so gut anfühlen, wie wenn einem einfühlsam zugehört wird.
Meiner Erfahrung nach gibt es keinen besseren Weg, einen Menschen in seinem Schmerz zu unterstützen, als ihm seine Gefühle und Bedürfnisse zu spiegeln und mit dem präsent zu sein, was gerade in ihm vorgeht.
Und ich kenne auch keine bessere Unterstützung für mich, wenn ich emotional aufgebracht bin.

Eine Falle von Ehrlichkeit ist zu glauben, es sei immer der beste Weg, zu sagen, was einen gerade ärgert oder was man denkt.
Ein Beispiel: Ein Freund von dir sagt: „Ich fühle mich verletzt, weil du zu mir gesagt hast, ich hätte ein Thema damit, Geld zu verdienen!“ und dir kommt als erstes in den Kopf zu antworten: „Ja, genau, ich habe das Bild von dir, dass du da noch unaufgelöste Glaubenssätze mit dir rumschleppst!“ Denn das wäre ja ehrlich, also gut. Richtig?

Moment.
Jetzt gerade braucht dein Freund Empathie. Eine Herz-zu-Herz-Verbindung und keine Analyse seiner möglichen Lebensthemen.
Spiegele ihm seine Gefühle, rate seine Bedürfnisse, und halte ansonsten den Mund! (Keine Ratschläge, keine Analysen, keine eigenen Geschichten!!!)
Das könnte dann so lauten: „Ich höre, dass du verletzt bist, stimmt das? Brauchst du Ermutigung, dass du mit deinem Geschäft Erfolg haben wirst, und dass ich an dich glaube?“

Wenn Menschen emotionalen Schmerz fühlen, dann wollen sie daran erinnert werden, was an ihnen gut ist und über welche Ressourcen sie verfügen.
Wenn sie sich dieser zwei Dinge schon bewusst wären, würden sie von vornherein sonst gar nicht diesen Schmerz spüren!

Vergessen wir außerdem nicht, dass jemand, der wütend und aufgebracht ist, unter emotionalem Schmerz leidet. Auch hier ist empathisches Zuhören ein sehr hilfreicher Weg, um einen anderen zu unterstützen.
Vor ein paar Tagen sagte mir mein Partner, er sei wütend wegen etwas, das ich zu ihm gesagt hatte.
Ich fragte ihn: „Brauchst du eine Bestätigung, dass ich all die Dinge sehe und wertschätze, die du für mich tust?“
Als Antwort brach er in Lachen aus und meinte: „Scheiss Empathie! Ich kann gar nicht mehr wütend sein! Du hast Recht!“ 🙂

Heißt das nun, dass du deine Gefühle wieder wegdrücken und darauf verzichten musst, dich selbst auszudrücken, um für jemand anderen da zu sein?

Nein.

Hier ist eine Möglichkeit, die mir sehr hilft:
Wenn du merkst, dass du getriggert bist, fühle in deinen Körper hinein und frage dich selbst, was du gerade brauchen könntest. Die meisten emotionalen Bedürfnisse gehen in die Richtung von „geliebt/ wertgeschätzt/ gesehen werden“ und „dazugehören“. Mit etwas Übung kannst du sie relativ schnell finden – in den meisten Situationen 😉
Erkenne dann dein Bedürfnis für dich selbst an. Sag es ein paar Male innerlich vor dich hin.

Dies wird dich in den meisten Fällen so weit beruhigen, dass du erst einmal dem anderen zuhören kannst.
Wenn er alles gesagt hat, bringe deine Gefühle und Bedürfnisse zur Sprache und bitte ihn, zu wiederholen, was er dich hat sagen hören.

Hier ist das Motto: Es gibt eine Zeit, um dich selbst auszudrücken, und eine Zeit, um zuzuhören.

Wenn du mit Gewaltfreier Kommunikation vertraut bist, wirst du sicher einige Elemente daraus in meinen Worten wiedergefunden haben, besonders in dem Teil über empathisches Zuhören.
Ich glaube, dass Radikale Ehrlichkeit und Gewaltfreie Kommunikation sich ergänzen und als Ganzes dazu beitragen können, worauf es bei der ganzen Sache mit den Beziehungen zwischen Menschen ankommt.

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Was meinst du dazu?

Was sind deine Erfahrungen beim Tanz zwischen Ehrlichkeit und Mitgefühl?

Ich freue mich über einen Kommentar von dir!

Viele Grüße,

Kendra
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