Dankbarkeit: Habe ich etwa noch jemanden vergessen?

Als meinen Beitrag zur Blogparade von Mara Stix über Dankbarkeit möchte ich dich heute fragen:

Bist du sicher, dass du allen wesentlichen Menschen in deinem Leben dankbar bist?

Oder hast du vielleicht noch jemanden vergessen? Die wichtigste Person von allen?

DICH?

girl-557659_640Weißt du, wie es sich anfühlt, wenn du dir selbst dankbar bist?

Für mich kam dieses Gefühl letzten Sommer als eine völlig neue Erfahrung zu mir.
Ich stand bei mir in der Küche und fühlte mich auf einmal unglaublich gut.
Vollkommen zufrieden mit mir selbst.
Stolz auf mich!

Und mir wurde klar, dass ich dieses Gefühl in dieser Form noch nie erlebt hatte!

Was war passiert?

Ich war endlich einmal so richtig für mich eingestanden.

Und zwar nicht nicht nur einem Menschen gegenüber, sondern gleich mehreren.

Aber der Reihe nach.

Es war gut ein halbes Jahr, nachdem ich mit Brad Blantons Buch „Radical Honesty“ („Radikal ehrlich“) in Berührung gekommen war.
Dieses Buch hat meine Beziehung zu mir selbst regelrecht revolutioniert.

Brad Blantons Ansatz lautet, anderen Menschen ganz offen und ehrlich zu sagen, was man fühlt und denkt.
Ich gebe zu, das traue ich mich meistens doch nicht, und ich bin noch lange nicht perfekt in der Art und Weise, wie ich es tue.
Es ist ein hoher Anspruch – aber in der Auseinandersetzung damit sind mir wesentliche Dinge klar geworden:

Wie oft ich lüge, wie oft ich mich selbst verbiege, wie oft ich mich hinter einer Maske verstecke und wie oft ich zu feige bin, meine Wahrheit zu vertreten.

Zusätzlich mir wird immer unangenehmer bewusster, welch hohen Preis an Lebensfreude, Energie, Verbindung zu anderen Menschen und Kreativität ich zahle, wenn ich so unehrlich bin.

wellness-594181_640Wenn ich eine Fassade zeige, die nicht echt ist.
Wenn ich anderen zuliebe Dinge tue, die ich eigentlich gar nicht will.
Wenn ich mal wieder zu etwas „Ja“ gesagt habe, das sich eigentlich gar nicht gut anfühlt.

Ich bin in meinem bisherigen Leben meistens so nett und brav gewesen, dass für mich aus heutiger Sicht schon fast wie ein genetischer Defekt anmutet.

Ein lebenslanger Automatismus, gar nicht erst zu spüren, was ich fühle und was ich will, erst ganz zu schweigen davon, dafür einzustehen.

Nun, das ist dabei, sich kräftig zu ändern 🙂

Im letzten Jahr habe ich Dinge getan, an die ich früher nicht einmal zu denken gewagt hätte.
Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Menschen so richtig angeschrien und herumgebrüllt, um ihm mitzuteilen, worüber ich alles wütend bin.
Dieser Mensch war mein Partner.

Wir sprachen ungefähr drei Tage nicht miteinander, aber dann kamen eine neue Nähe und Tiefe der Verliebtheit, die wir ganz frisch genießen konnten.

Als nächstes war mein Ex-Partner an der Reihe.

Ein paar Monate später meine Eltern.

Dann eine Freundin.

Und dann kam der besagte Moment in der Küche.

Es war einer der schönsten Augenblicke meines Lebens.

Ich war so erleichtert, auf mich und meine Gefühle gehört zu haben. Ich konnte das Leben in mir spüren, Wärme und Freude. Grenzenlose Erleichterung.
Und irgendwie wusste ich, dass jemanden seine Wut auszudrücken, gar nichts Schlimmes ist.

heart-42960_640Denn hinter deiner – vielleicht enormen – Wut stecken dein Interesse und deine Leidenschaft für die Beziehung und die Verbindung zu anderen.
Auch wenn das nicht immer offensichtlich ist.

Bevor du aber nun Gefahr läufst, zu denken, ich würde dazu aufrufen, anderen Menschen rücksichtslos emotionalen Müll vor die Füße zu kippen und sie fertigzumachen, lass mich dir versichern, dass „radikal ehrlich“ zu sein das Gegenteil davon bedeutet.

Es ist ein Weg zu dem Ziel, den eigenen – oft lange angestauten und Beziehungen sabotierenden Ärger – endlich gehen zu lassen, indem man ihn einmal richtig durchlebt und durchfühlt.

Und am wirkungsvollsten lässt er sich erleben und durchfühlen (und hinter sich lassen), wenn man in Gegenwart des Menschen ist, der ihn ausgelöst hat.

Wenn der Ärger einmal richtig körperlich erlebt worden sind, dann verschwindet er.
Vor genau diesem körperlichen Erleben drücken wir uns übrigens ganz oft, wenn wir den anderen verurteilen und ihm Vorwürfe machen. Wir sind dann lediglich in unseren ärgerlichen Gedanken, aber nicht im Ärger lösenden körperlichen Erleben, und so wird der Ärger nur noch weiter angeheizt, anstatt sich aufzulösen.

Nachdem dem ordentlichen Durchfühlen des Ärgers kommt dann nämlich etwas neues:
Es setzt eine Entspannung ein, und man kommt wieder in Kontakt mit dem, was man am anderen Menschen mag und schätzt.

Und genau darum geht es. Wenn der Ärger nicht mehr im Weg steht, ergibt sich ganz von selbst wieder ein Interesse an der Verbindung, und Nähe wird (oft) mühelos möglich – zumindest von einem selbst aus.

Der Prozess der „radikalen Ehrlichkeit“ ist deshalb nie abgeschlossen, bevor man nicht wieder in einer echten Verbindung mit dem anderen ist.

Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, die ganzen Details zu beschreiben, die diesen Prozess ausmachen, und das ist ja auch nicht mein Hauptanliegen.
Deshalb zurück zur Dankbarkeit:

Die Dankbarkeit in deinem Leben ist nicht vollständig, wenn du nicht auch dir selbst gegenüber dankbar bist.

Deine Dankbarkeit dir selbst gegenüber ist eine Form authentischer Selbstliebe und damit ein wichtiger Baustein für dein Lebensglück.

Und Ehrlichkeit kann ein sehr guter Weg sein, um ins Stocken geratene Dankbarkeit wieder in Fluss zu bringen.

Wenn du dir selbst (oder auch anderen…) also gerade einmal nicht dankbar sein kannst, sondern Selbstvorwürfe, Unzufriedenheit und Kritik dominieren, dann frage dich:
Was brauchst du, um dir selbst wieder dankbar sein zu können?
Wo musst du dazu wieder mehr du selbst sein?
Wo musst du aufhören, dich zu verbiegen?
Welche Konflikte mit welchen Menschen musst du dazu lösen?
Welche Dinge, die du gar nicht (mehr) liebst, musst du aufhören zu tun?

Wie kannst du anfangen, deine Gefühle auszudrücken und für dich einzustehen?

Was wäre der erste allerkleinste Schritt, den du machen kannst?
Und dann der nächste?

love-608371_640Du hast es verdient, stolz auf dich zu sein und dir selbst mit Dankbarkeit zu begegnen.
Je mehr du authentisch bist, desto mehr wirst du es automatisch sein, denn je mehr du dich so zeigst, wie du bist, desto mehr wirst du erleben, dass das eine Bereicherung ist.

Deine Gefühle und deine Ehrlichkeit bieten ungeahntes wertvolles Feedback für andere.
Deine Verletzlichkeit berührt die Herzen der anderen und hilft ihnen, sich auch zu öffnen.

Trau dich!

Ich weiss, dass dieser Weg am Anfang nicht leicht ist, aber er lohnt sich sehr.
In meinen Artikeln Ärger konstruktiv ausdrücken und so Raum für Neues schaffen und Erzähl’s dem Stuhl! verrate ich dir noch genauer, wie ich meinen Ärger ausgedrückt habe bzw. ausdrücke und damit zu diesem himmlischen Gefühl der Selbstdankbarkeit gekommen bin.

Kendra Gettel

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5 Comments

  1. Liebe Kandra,
    ich arbeite mich durch die Blog Parade von Mara und bin so auf deinen Blog gestoßen. So habe ich bisher nicht über Dankbarkeit nachgedacht.

    Ich spüre tatsächlich tiefe Dankbarkeit wenn meine beiden Kinder gesund sind und mir etwas von meiner Liebe zurückgeben, sei es durch ein Lächeln oder ein nettes Wort.

    Aber auch im Frühjahr wenn ich nach dem langen Herbst und Winter die ersten Blumen sehe. LG Tina

    • Liebe Christina,
      Kinderlächeln und die ersten Blumen im Frühjahr gefallen mir sehr als Beispiele für Dinge zum Dankbarsein!
      Und danke für dienen Kommentar!

      Viele Grüße,
      Kendra

  2. Pingback: Zusammenfassung der Dankbarkeit Blog Parade - Mara Stix

  3. Liebe Kendra,
    danke für die Erinnerung an diesen so wichtigen Teilbereich der Dankbarkeit. Ich kenne das Gefühl, das du beschreibst und es gibt Zeiten, da habe ich es viel zu selten, weil im Alltag vieles wichtiger scheint…

    Alles Liebe
    Birgit

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