Kein Orgasmus? Geschenk für dich!

Gehörst du auch zu den Frauen, denen es schwer fällt, beim Sex zum Orgasmus zu kommen – oder die gar noch nie einen hatten?
Oder nur mit manuellem Nachhelfen?

Bist du deswegen frustriert, weil du denkst, etwas stimme nicht mit dir als Frau?
Musstest du dir von Männern auch schon anhören, dass du frigide bist und ein Problem hast?

Wie wäre es, herauszufinden, dass dein angeblicher „Defekt“ ein Geschenk ist?

Ich habe mein Leben lang solche Kommentare wie oben von Männern abbekommen.
Einer meiner Expartner sagte irgendwann zu mir, ich hätte ein Problem mit meiner weiblichen magnetischen Kraft. Nachdem er anfangs nicht genug von mir bekommen konnte – seltsam, oder?
Der nächste meinte, ich müsse noch irgendwelche Kindheitsthemen aufarbeiten.
Ein weiterer kam zu dem Ergebnis, ich sei eben nicht sein Typ – hallo, wieso hast du dann überhaupt etwas mit mir angefangen?

woman-506120_640Das letzte Mal, als mir das passierte (übrigens mit meinem jetzigen Partner…), saß ich heulend und völlig am Boden zerstört im Wohnzimmer und schickte einen Hilfeschrei ans Universum los.
Zwei Tage später war für meinen Partner überraschend ein Buch in der Post!
Ich konnte sofort diesen leichten elektrischen Schlag spüren und ich wusste:
Das ist die Antwort! Wow! Unglaublich!

Ein gemeinsamer Bekannter hatte auf einmal das Gefühl gehabt, er müsse uns ein bestimmtes Buch schicken…!
Und zwar „Das Gift an Amors Pfeil“ von Marnia Robinson.
(Ewige Dankbarkeit an Andreas Weinert :-)!)

Marnia Robinson hat mir sehr, sehr geholfen.
Kurz gesagt beschreibt sie die Auswirkungen von Orgasmen auf das Gehirn, und da steckt Sprengstoff drin!

Achtung – lies nur weiter, wenn du bereit bist, deine bisherige Sichtweise auf Sex völlig auf den Kopf stellen zu lassen!

Robinsons Beschreibung nach haben wir zwei biologische Systeme in uns:
Eines dient der möglichst arterhaltenden und erfolgreichen Fortpflanzung, das andere der Knüpfung und Erhaltung zwischenmenschlicher Nähe.

Dummerweise stehen die beiden miteinander im Widerspruch und geraten in unserem heutigen Beziehungsmodell miteinander in Konflikt.

Wir wollen nämlich in einer Partnerschaft beides leben: Die Nähe und Vertrautheit genauso wie die heisse Sache mit der Fortpflanzung.

love-551257_640(Früher, vor zigtausenden Jahren, als wir noch polygam in Stämmen lebten, ging das besser…)

Und das funktioniert nicht, denn unser Fortpflanzungstrieb sieht vor, dass wir uns mit möglichst viele verschiedenen Exemplaren des anderen Geschlechts paaren.
Wir verlieben uns, fühlen uns wahnsinnig zueinander hingezogen, paaren uns heftig, bekommen Nachwuchs – und verlieren dann das Interesse aneinander, um das Spiel mit dem oder der Nächsten zu wiederholen.

Und dabei spielt der Orgasmus eine entscheidende Rolle.

Der Orgasmus ist für unser System sozusagen das Signal „Ziel erreicht: Paarung ist erfolgt, Nachwuchs auf den Weg gebracht!“ und bewirkt, dass wir uns dem „nächsten Ziel“ zuwenden.
Bei einem Orgasmus werden deshalb Stoffe ausgeschüttet, die die Gehirnchemie dahingehend verändern, dass man seinen Partner anders wahrnimmt als vorher! Und zwar negativ, denn wir sollen uns ja jemanden neues suchen!

Auf einmal nerven Kleinigkeiten. Auf einmal stört die Art, wie er guckt, der grüne Pullover, den er anhat und der ihm gestern noch so gut stand, ist heute peinlich, seine gestern noch lustigen Witze sind heute doof.
Und die heiße Braut von gestern ist auf einmal fad und öde.

man-158329_640Das passiert noch nicht in der Zeit der akuten Verliebtheit (!!!), denn wir sollen ja möglichst so lange zusammenbleiben, bis es zu Nachwuchs gekommen ist.
Aber wenn die Verliebtheitschemikalien erst einmal nachlassen, dann haut der Orgasmus mit seinem Trennungsprogramm so richtig rein!

Diese wahrnehmungsverändernde Wirkung eines Orgasmus hält ungefähr zwei Wochen lang an. Danach fühlt man sich wieder mehr zueinander hingezogen.

Aus diesem Grund kommen dann zum Beispiel Paare in Schwierigkeiten, die nach einer glücklichen Fernbeziehung auf einmal zusammenleben. Das Spiel funktioniert, wenn man zwischendurch immer wieder Abstand voneinander hat. Aber wenn nicht… will die Biologie schon dafür sorgen!

Sind wir jetzt unserer Biologie hilflos ausgeliefert? Nein!

Wie Robinson weiter beschreibt, liegt die Tragik darin, dass wir – außer auf Fortpflanzung – gleichzeitig auf Nähe und Verbindung angewiesen sind. Wir brauchen sie, um glücklich zu sein!
Und deshalb sind die ständigen Aufs- und Abs der reinen Fortpflanzungsbiologie für uns purer Stress.

heart-262805_640An dem Punkt können wir unser System umtrainieren. Wir können unsere Biologie auch so einsetzen, dass sie Nähe und dauerhafte Liebe fördert, und so unsere Paarbeziehung stabilisieren. Das haben wir genauso in uns, ist aber von subtilerer Qualität und drängt sich nicht so in den Vordergrund wie der Fortpflanzungstrieb.

Wenn uns nun aber eher an einer stabilen, näheerfüllten Beziehung gelegen ist, dann brauchen wir eben etwas anderes.
Ich höre dich schon entsetzt ausrufen: Wie? Kein Sex mehr? Keine Orgasmen? Ohne mich!

Moment! 🙂

Robinson will – genauso wie ich – keineswegs darauf hinaus, auf Sex zu verzichten. Ganz im Gegenteil!

Sex ist gut, Sex ist wichtig und nährt die Beziehung!
Es geht nur um das „Wie“.

Bei der Herangehensweise, die Robinson empfiehlt und die „Karezza“ genannt wird, geht es beim Sex hauptsächlich um das bewusste Zusammensein der beiden Partner. Genießt einander, erforscht einander, aber seid dabei präsent und im Augenblick.
Hört genau auf das, was eure Körper euch an subtilen Empfindungen mitteilen.
peace-dove-588080_640Diese gehen in der Hitze des gewöhnlichen „Nach-dem-Orgasmus-Jagens“ nämlich oft unter.
Wie oft ist man in Gedanken daran, endlich zu kommen, und was man dafür tun kann, anstatt im Jetzt und mit dem anderen Menschen zu sein?

Verlangsamt alles und achtet einfach auf das, was ihr jetzt gerade fühlt. Seid mit dem Menschen, der da bei euch ist – und nicht bei irgendwelchen stimulierenden Bildern in eurem Kopf.
Seht euch in die Augen.

Arbeitet nicht darauf hin, einen Orgasmus zu haben, sondern genießt den Augenblick und das Zusammensein!

Und macht gaaaanz oft und gaaaaanz lange Liebe :-)!

Ganz wichtig: Wie geht es euch nach dem Miteinander-Schlafen?
Seid ihr glücklich und miteinander verbunden? Oder wollt ihr lieber Distanz? Energetisiert? Oder erschöpft? Gibt es da einen Zusammenhang mit Orgasmen? Wie ist es, wenn ihr welche habt, im Vergleich dazu, wenn ihr keine habt? Beobachtet genau!

Durch diese Art des Miteinander-Schlafens entsteht eine neue Nähe und Herzensverbindung zwischen dir und deinem Partner, und zumindest nach Robinsons Beschreibung, meiner Erfahrung und der Erfahrung von Menschen, mit denen ich gesprochen habe, ist das extrem schön und erfüllend.

Erfüllender als jeder „bloße“ Orgasmus (Testet selbst…;-) ).

Es geht also nicht darum, auf irgendetwas zu verzichten.

Es geht darum, bewusst zu sein und herauszufinden, was dich wirklich erfüllt.

love-560783_640So, und nun schließt sich der Kreis zum Anfang des Artikels.

Wenn du bisher Schwierigkeiten mit dem Orgasmus hattest – vielleicht gehörst du einfach zu denen, denen diese Herzverbindung wichtiger ist?
Vielleicht will dich dein Körper schon lange auf etwas extrem Wichtiges hinweisen?
Vielleicht funktioniert einfach die Art, nach der du laut unserer Gesellschaft Sex haben „sollst“, nicht für dich?
Wünschst du dir tief drinnen etwas anderes?

Törnt dich vielleicht einfach nur dein Herz mehr an als deine Genitalien?

Bei mir zum Beispiel geht ohne Herz gar nichts, und wenn ich im Bett nicht die Herzensverbindung zum Mann fühle, bin ich hinterher unglücklich – egal, wie „geil“ es gewesen ist.
Das ist oft schleichend, aber ich merke es deutlich. Irgendetwas in mir ist enttäuscht, traurig.

Lange habe ich mir den Schuh angezogen, dass deshalb etwas mit mir nicht stimmt.

Bis der Tag kam, an dem ich tief in mir FÜHLEN konnte und wusste, dass ich total ok bin.
Heute sehe ich es so: Sieh dir unsere Welt an! Brauchen wir etwa weniger Liebe? Brauchen wir weniger Herz?
Nein!
Ein paar solcher Menschen mit Fokus auf dem Herz schaden uns sicher nicht ;-)!

Ich bin vielleicht nicht gesellschaftskonform mit meiner „weichen“ Art, aber es ist kein Defekt, sondern ein Geschenk.

love-297395_640Irgendwann konnte ich ganz ehrlich zu meinem Partner sagen:
„Ich bin vielleicht nicht die Frau deiner sexuellen Phantasien, aber ich habe dir mein Herz zu geben, und das ist etwas ganz Großes. Wenn du das nicht willst, dann ok, such dir eine andere!“

Und das meine ich.
Seitdem ist das Thema erledigt!!!

Wir experimentieren nun schon seit längerem mit einer neuen Art des Liebemachens. Es ist zugegeben nicht einfach, sich umzugewöhnen, und es gelingt uns auch oft nicht.
Denn ich habe ein neues Problem … (rotwerd…), das Umgekehrte wie früher…

(Dreimal darfst du raten, was ich meine! 😉 )

Das ist für mich wieder die Bestätigung, dass die Sache mit der Herzensverbindung, der Nähe und Zärtlichkeit für Frauen essentiell ist.
Zumindest für solche wie mich!
Und deswegen glaube ich, dass es für Frauen, die auch so ticken wie ich, wichtiger ist, sich um die Herzensverbindung zu kümmern als um den Orgasmus.
Gib dem Priorität, was dich in deinem Herzen erfüllt – und der Rest regelt sich!

Ich fasse noch einmal zusammen:
Heisser Sex und Orgasmen sind der Fortpflanzungschiene zuzuordnen und führen auf Dauer unweigerlich dazu, das Spiel mit dem Nächsten wiederholen zu wollen.

Der Fokus auf Zärtlichkeit, Präsenz und langsames Liebemachen bringt mehr Herzensverbindung, Nähe und Stabilität in die Partnerschaft und führt allmählich sogar dazu, dass andere Partner weniger interessant werden.

Beides sind legitime Wege. Gehst du den, der dir entspricht?

Marnia Robinson empfiehlt, einfach beides einmal nacheinander auszuprobieren und eigene Erfahrungen mit dieser Dynamik zu sammeln bzw. ihre Gültigkeit für sich selbst zu überprüfen.

Das halte ich für eine großartige Idee, denn mir scheint, dass es bei uns in puncto sexuelles Verhalten so ist wie bei einem Amazonas-Indianer, der noch nie Schnee gesehen hat.
Woher soll dieser Indianer wissen, ob ihm Schlitten fahren Spaß macht?
Und wie sollen wir, denen von frühester Jugend an erzählt wird, der Maßstab aller Dinge im Bett sei, sich gegenseitig zum „Höhepunkt“ zu bringen, beurteilen, ob uns etwas anderes nicht mehr entsprechen würde?

Finde es heraus!

Mein Kollege Nils Terborg erklärt in seinem Artikel mit dem schönen Titel Sex haben oder nicht? Der Kuschelfaktor hilft! noch unter einem anderen Aspekt, welche Hormone unser Körper bei welcher Art von körperlicher Verbindung ausschüttet, und wie wir uns das zunutze machen können.
Extrem lesenswert!

Wenn du dich von diesem Thema angesprochen fühlst, dann lass es mich wissen – ich freue mich sehr, von dir zu hören!
Du kannst mir unten einen Kommentar schreiben oder eine E-Mail, wenn dir das lieber ist.

Ich muss zugeben, dass ich schon ein bisschen nervös bin, über etwas derart Persönliches zu schreiben.
Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass wir anfangen, über solche Dinge miteinander zu sprechen und nicht alle allein denken, wir hätten als einzige ein Problem.
Ich wäre dir deshalb sehr dankbar, wenn du dieses Anliegen unterstützt und diesen Artikel weiterempfiehlst und teilst!

Weitere Bücher, die ich dir zu diesem Thema ans Herz lege, sind Soulsex von Eva Maria Zurhorst und Zeit für Weiblichkeit von Diana Richardson

P.S.:
Noch zum Thema Orgasmus: Robinson erklärt, wie beim Orgasmus jedes Mal Dopamin ausgeschüttet wird – der körpereigene Belohnungsstoff. Das fühlt sich extrem gut an – doch leider sinkt nach einer Weile der Dopaminspiegel, man fühlt sich (richtig) mies und will die Handlung wiederholen, um wieder mehr Dopamin ins System zu bringen.
Das ist der Trick, um dich dazu zu bringen, möglichst viele Orgasmen zu haben.
Und bei Kokainkonsum passiert dasselbe…

Erst nach einiger Zeit der „Abstinenz“ (ab 2 Wochen) normalisieren sich die Dinge wieder.

Spannend, oder?

Kendra Gettel

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4 Kommentare

  1. Pingback: Kein Bock auf zu wenig Sex? So entfachst du das Feuer bei deiner Partnerin - Nils Terborg

  2. Wirklich gut auf den Punkt gebracht, Kendra!

    Zu viele Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, denken bis heute, dass es beim Sex um den Orgasmus geht.

    Kein Orgasmus = Schlechter Sex

    Es geht beim Sex aber nicht darum, ein „Ziel“ zu erreichen, sondern etwas unheimlich tolles zu genießen und im Hier und Jetzt zu leben.

    • Hallo Sergej,
      danke für deinen Kommentar und deine Rückendeckung! Ich vermute nämlich, dass dies ein heikles Thema ist….

      Liebe Grüße, Kendra

      • In der heutigen Generation/Zeit werden viele geblendet von dem was Sie sehen bzw auffassen (größtenteils von den Medien). Dies führt zu diesem falschen Bild. In den Köpfen vieler Männer als auch in den der Frauen, irrt der Glaube umherum dass man immer es so handhaben muss wie man es immer mitbekommt und so garnicht mehr auf seine Innerestimme hört…
        Ich finde Sie haben ihren Standpunkt hiermit deutlich gemacht! 😀
        Ich wünsche ihnen noch einen wundervollen Tag!

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